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INVENTIO 2007 feierlich verliehenAm Freitag den 18. April 2008 wurde der INVENTIO 2007 in festlichem Rahmen im Richard-Strauss-Konservatorium im Gasteig in München verliehen.
(v.L.n.R. Prof. Asmus J. Hintz, Dörte Inselmann, Georg Thomanek, Christel Blank-Meine, Patricia Gläfcke, Prof. Dr. Hans Bäßler) Mit dem Förderpreis der Stiftung „100 Jahre YAMAHA e.V.“ und des Deutschen Musikrates wurden zum vierten Mal innovative musikpädagogische Projekte ausgezeichnet. Die Gewinner sind die Grundschule Stader Straße in Bremen, die Musikschule der Stadt Monheim am Rhein, der Landesmusikrat Hamburg und der Kulturpalast im Wasserwerk, Hamburg. Besondere Erwähnung verdient die Verleihung des Sonderpreises „Verantwortung für die Musik in der Gesellschaft“ an Frau Ignes Ponto, die für ihr Engagement für die Förderung junger Künstler ausgezeichnet wurde. Als Laudatoren sprachen die Juroren Herr Prof. Dr. Hans Bäßler (Vizepräsident des Deutschen Musikrates), Prof. Asmus J. Hintz (Vorstandsmitglied der Stiftung „100 Jahre Yamaha e.V.“), Prof. Ernst Folz (Vorsitzender der Konferenz der Landesmusikräte) und Prof. Dr. Andreas C. Lehmann (Vorstandsmitglied des Arbeitskreises musikpädagogische Forschung). Die Veranstaltung wurde von zahlreichen Ehrengästen besucht, darunter der Präsidenten des sächsischen Kultursenats, Dr. Bernhard Freiherr Loeffelholz von Colberg, und Yasuaki Gyoten, Managing Director der Yamaha Music Central Europe GmbH. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten das Saxophonquartett „Sax au chocolat“, das Klaviertrio „Trèsanimée“ und Thomas Kärcher (YAMAHA Academy of Music). Grußwort anlässlich der Preisverleihung des „Inventio 2007“ Prof. Asmus J. Hintz Was verbindet den INVENTIO mit Richard Strauss und Berlioz? Der französische Komponist Louis Hector Berlioz (* 1803 - † 8. März 1869), gilt als wichtigster Vertreter der Romantik in Frankreich, als Begründer der sinfonischen Programmmusik und der modernen Orchesterinstrumentation. Seine Kompositionen wurden damals als revolutionär empfunden, kaum verstanden und trugen ihm mehr Kritik als Lob ein. Deshalb musste er seinen Lebensunterhalt zusätzlich als Musikkritiker bestreiten. Berlioz ist der Verfasser einer Instrumentierungskunde, die in Teilen bis heute gültig ist und auf die sich jene des Richard Strauss stützt. Er kann somit als Begründer der Instrumentierungskunde des modernen Orchesters angesehen werden. Das war sehr innovativ und wäre somit eines INVENTIO würdig, hätte es diesen seinerzeit gegeben. Als Komponist in seiner Heimatstadt Paris nur gering geschätzt, führte ihn eine seiner häufigen Auslandsreisen Anfang März 1842 nach Braunschweig. Er fand dort ein hervorragendes Orchester vor, ganz für Berlioz´ Musik entflammt. Der Komponist des Lobes voll berichtet seinem Vater: „Die Aufführung war wundervoll. Die Begeisterung des Publikums und der Künstler übertraf alles, was ich mir je erträumen konnte. Man hat auf offener Bühne meine Partituren des Roméo und des Requiems bekränzt. Kaum war der letzte Akkord verklungen, erschütterte ein furchtbarer Lärm den Saal: die ganze Masse des Publikums schrie, im Parkett, in den Logen, überall; die Trompeten, Hörner und Posaunen des Orchesters schmetterten Fanfaren in verschiedenen Tonarten.“ Berlioz hat in seiner Novelle „Euphonia“ oder „Die musikalische Stadt“ nicht nur dem geliebten Braunschweig ein Denkmal gesetzt, sondern visionär die kulturelle Atmosphäre Deutschlands im Jahre 2344 beschrieben. Während er das Paris dieser fernen Zeiten in Intrigen und Modenschauen erstickt sieht, während in Italien die Theater zu Stätten der Börsenspekulation verkommen sind, blickt die Welt sehnsuchtsvoll auf das deutsche „Euphonia“, eine kleine Stadt von 12.000 Seelen am Abhang des Harzes, in der die Musikausübung die einzige Bestimmung ihrer Bewohner darstellt. Sogar die Polizeiordnung wurde dort nach ästhetischen Kriterien ausgerichtet: Wer keinen Sinn für musikalischen Ausdruck besitzt, muss die Stadt verlassen. Jeder Bürger von „Euphonia“ singt und spielt Instrumente. Gemeinschaftliches Musizieren wird als selbstverständliches Ideal propagiert. Meine sehr verehrten Damen und Herren, Berlioz erweist sich als Visionär. Heute wissen wir, dass die intensive Beschäftigung mit Musik und insbesondere das Spielen von Musikinstrumenten zu einem ausgewogenen sozialen Verhalten der Kinder und Jugendlichen führen. Nicht die Vermittlung von Fertigkeiten und Wissen allein, sondern auch die Bildung der Persönlichkeit sind das Ziel. Es kommt nicht darauf an, Kulturgüter in die nächste Generation zu transportieren, sondern den Geist, der sie hervorgebracht hat. Daraus folgt: Wir brauchen eine Initiative, die sich für die musikalische Bildung aller Kinder einsetzt, ab der Geburt bis in die allgemein bildende Schule, ungeachtet ihres sozialen oder ethnischen Status. Eine Utopie wie sie Berlioz in seiner „musikalischen Stadt“ beschrieben hat? Mitnichten! 2001 entsteht in Bochum die Idee für das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“. Ziel des Projekts der Zukunftsstiftung Bildung und der Musikschule Bochum: Jedes Bochumer Grundschulkind soll ein Instrument erlernen können. Mit dem Schuljahr 2003/2004 startet das Projekt in Bochum mit zehn Grundschulen. 2005 geht der INVENTIO an das Bochumer Projekt „Jedem Kind ein Instrument“, auch abgekürzt JEKI genannt, das damit zum ersten Mal eine Auszeichnung erhält. Das Projekt wird für seine besondere Breitenwirkung und die beispielhaft gute Zusammenarbeit privater und öffentlicher Partner ausgezeichnet. 2007 ist die „JEKI-Idee“ bundesweit ein wichtiges Thema der musikalischen Bildung, unterstützt mit Mitteln des Bundes. Was zuvor niemand für möglich und beinahe jeder für utopisch hielt, ist heute Realität. Aller Orten in Deutschland entstehen JEKI-Nachfolgeprojekte. Bis zur Entstehung von Euphonia (2344) sind es zwar noch 336 Jahre, aber der Weg ist bereitet! Das Beispiel „JEKI“ zeigt, dass wirkliche Änderungen und Reformen nicht durch Verordnungen „von oben“ erreicht werden, sondern viel wirksamer und rascher durch Modelle und Erfahrungen „von unten“. Reformen beginnen in den Köpfen; Köpfe ändert man aber nicht durch Erlasse, sondern durch Erfahrungen und Ermutigung. Ganz in diesem Sinne soll der Inventio wirken. In unserem Land gibt es viele engagierte und kreative Mitbürger, die in ihrer Umgebung Menschen zum Musizieren motivieren und fördern. Nicht die besonders günstigen finanziellen Rahmenbedingungen sind für das Gelingen ausschlaggebend, sondern das herausragende Engagement Einzelner. Getragen von einer Idee oder dem Ziel, Neues und nicht für möglich Gehaltenes zu verwirklichen, engagieren sich immer wieder Menschen in unserem Land. Diese Grundhaltung wollen wir durch den „INVENTIO-Preis“ bekannt machen, zur Nachahmung ermuntern und erreichen, dass gute Beispiele „Schule machen“. Als Mitglied der Jury weiß ich, wie schwierig es ist, aus der Vielzahl der kreativen Beiträge die Preisträger zu bestimmen. Fürwahr keine leichte Aufgabe! In einer Frage allerdings waren wir uns sehr schnell einig: Die von Ihnen, sehr verehrte Frau Ponto, 1977 mit der Dresdner Bank gegründete Jürgen Ponto-Stiftung steht für zentrale Werte wie z. B. Exzellenz, Nachhaltigkeit, Talentförderung und Innovationsfähigkeit. Es ist uns eine besondere Ehre, in tiefem Respekt vor dem schweren Schicksal, welches Sie und Ihre Familie betroffen hat, nicht die Stiftung, sondern Ihr herausragendes gesellschafts- und bildungspolitisch bedeutsames Engagement, aus unserer Sicht vor allem im Bereich der Musik, hervorzuheben und als Zeichen unserer Anerkennung, Ihnen den Inventio „Verantwortung für die Musik in der Gesellschaft“ zu widmen. Die Laudatoren werden sich noch detailliert zu allen Preisträgern äußern. Die Stiftung „100 Jahre Yamaha“ verleiht in Kooperation mit dem Deutschen Musikrat den Inventio bereits im vierten Jahr. Uns eint die Überzeugung, dass wegen der vielfältigen positiven Wirkungen des Musizierens auf den Einzelnen und die Gesellschaft alle musikpädagogischen Initiativen, insbesondere Musikschulen, jede denkbare Unterstützung des Staates, der Kommunen und der Wirtschaft verdienen. Lassen Sie mich schließen mit einem herzlichen Glückwunsch im Namen der Yamaha-Stiftung an alle Preisträger des Inventio 2007, die wir heute in München ehren dürfen. Prof. Asmus J. Hintz – April 2008 Mitglied des Vorstandes der Stiftung „100 Jahre Yamaha“ e. V. |
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